Mein Verständnis vom TPS
Das Toyota Produktionssystem beschreibt eine andere Sicht auf Management, als sie in der westlichen Welt über Jahrzehnte üblich war. Der Name führt dabei leicht in die Irre: Weil „Production“ darin steckt, denken viele, es betreffe vor allem die Fertigung. Tatsächlich lässt sich TPS auf alle Prozesse eines Unternehmens anwenden – von der Entwicklung bis zum Versand.
Auf dieser Seite fasse ich zusammen, was ich in über 30 Jahren mit Toyota gelernt habe – nicht das originale TPS, sondern meine eigene Erfahrung damit. Das umfasst zwei Bereiche: mein Verständnis von TPS als System, und eine Systematik, die mir Toyota selbst für dessen Einführung vermittelt hat.
Toyota Production System – das Ebenenmodell
TPS entfaltet seine Wirkung erst, wenn drei Ebenen zusammenkommen. Wer bei mir TPS lernt, bekommt es als System – nicht als Werkzeugkasten zum Durchprobieren.
Ebene 1: Die Denkweise
Kunde und Anforderungen: Alles beginnt beim Kunden – seinem Bedarf an Menge, Qualität, Lieferzeit und Preis. Alle Prozesse eines Unternehmens richten sich darauf aus, genau das zu liefern.
Prozesse und Bestände: Interne Prozesse bestimmen Lieferzeit und Kosten. Bestände gelten klassisch als Wert – tatsächlich sind sie oft nur ein Symptom instabiler Prozesse, die sie überdecken.
Probleme und Menschen: Probleme versteht man nur vor Ort (Genba), und man löst ihre Ursache, nicht ihre Wirkung. Die Mitarbeitenden vor Ort sind dabei unverzichtbar – für die Analyse wie für die Umsetzung.
Kaizen: Fortschritt entsteht durch viele kleine, schnelle Schritte statt durch den einen großen Wurf. Das ist keine Bescheidenheit, sondern schneller wirksam.
Ebene 2: Die Prinzipien
Just-in-Time: Kleine Losgrößen, Produktion im Kundentakt, das Pull-Prinzip statt Push – vorausgesetzt eine nivellierte Produktion (Heijunka) als stabile Basis.
Jidouka: Qualität von vornherein einbauen statt nachträglich prüfen, und Arbeitsplätze so gestalten, dass der Personaleinsatz flexibel auf schwankende Bedarfe reagieren kann.
Ebene 3: Methoden und Werkzeuge
Kanban, Wertstromanalyse, 5S und andere Werkzeuge wirken nur im richtigen Kontext – zum richtigen Zeitpunkt, für den richtigen Zweck. Viele Berater stellen eine einzelne Methode in den Vordergrund; das bringt selten nachhaltigen Erfolg, weil Prinzipien und Denkweise dabei außen vor bleiben. Kanban etwa ist gleichzeitig Methode (Bestandssteuerung), Prinzip (Pull) und Signal für Probleme (Ebene 1) – drei Ebenen in einer einzigen Karte.
Die Didaktik (production system approach)
Toyota hat sein System jahrzehntelang eher intuitiv weitergegeben – getragen von wenigen, außergewöhnlich gut ausgebildeten Personen im engen Austausch. Mit dem enormen Wachstum stieß das an Grenzen: Es reichte nicht mehr, nur die Inhalte von TPS zu vermitteln – es brauchte auch eine Vorgehensweise für dessen Einführung.
Genau diese Didaktik durfte ich im direkten Austausch mit Toyota studieren und erleben. Toyota selbst nennt sie den „Production System Approach“ – bislang in keiner Fachliteratur beschrieben, heute ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit mit Kunden.
