Vom Lernen zum Lehren

Seit über 30 Jahren arbeite ich mit dem Toyota Produktionssystem, seit 2008 selbstständig – heute als Sensei, nicht als Berater. Wie es dazu kam, lässt sich in drei Phasen erzählen, jede mit einem eigenen Blick auf TPS.

Die Initialzündung – sechs Monate bei Toyota in Japan

Mein Ausgangspunkt war ein sechsmonatiges Inhouse-Training direkt bei Toyota in Japan – möglich durch ein EU-Stipendium für mein Studium der japanischen Sprache. Das ermöglichte einen echten Einblick, nicht die aufbereitete Version für ausländische Besucher, sondern ein tiefes Eintauchen in Methodik und Kultur des TPS. Ich habe dort ein herausragendes Werk in seiner vollen Wirkweise erlebt: wie TPS als Ganzes funktioniert, wenn es konsequent gelebt wird.

Meine zentrale Erkenntnis: Japan ist – wie Deutschland – ein Hochkostenland. Wer von dort aus im Wettbewerb bestehen will, muss um genau das besser sein, was er mehr verdient.

TPS in der deutschen Realität – Porsche Consulting

Danach habe ich bei Porsche Consulting erlebt, wie sich TPS in der deutschen Unternehmenskultur anwenden lässt – und wie weit deutsche Werke damals noch von Toyotas Niveau entfernt waren. Diese Phase hat mir gezeigt, welche Anpassungen es braucht, damit TPS in einem anderen kulturellen Kontext funktioniert. Ich habe dort mit mehreren deutschen Automobilherstellern, Zulieferern und mittelständischen Unternehmen gearbeitet.

Verantwortung und Feinschliff – Bosch und Toyota OMCD

Bei Robert Bosch GmbH habe ich die Verantwortung für die TPS-Anwendung in einem international agierenden Großkonzern übernommen und das Bosch Produktionssystem (BPS) verantwortlich aufgebaut. Unser Ziel war es, am Beispiel von TPS ein BPS zu entwickeln, das sowohl der Kultur als auch den Produkten eines deutschen Konzerns mit internationalen Werken gerecht wird.

Gleichzeitig kam ich erneut mit Toyota in Kontakt: durch eine besondere Unterstützung von Toyotas OMCD (Operations Management Consulting Division). Von diesen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen habe ich erst wirklich verstanden, was es bedeutet, ein Sensei zu sein – und was man hierfür können muss.

Erfahrungen, auf denen meine Selbstständigkeit beruht

All diese Projekte haben mir ein fundiertes Wissen von TPS und seiner Anwendung in unterschiedlichen Kulturen vermittelt. Zusätzlich kamen rund 12 Benchmarkreisen hinzu, die ich verantwortet habe – bereits während meiner Zeit bei Porsche Consulting und bei Bosch, und auch danach als Selbstständiger. Dabei habe ich nicht nur Werke von Toyota und seinen Zulieferern besucht, sondern viele weitere große und kleine Produktionsstätten. Diese Einblicke zeigen Lösungen, die vielen noch unbekannt sind – und genau dieses Wissen gebe ich seit 2008 weiter.

Selbstständig seit 2008

Seit 2008 begleite ich Unternehmen jeder Größe – von internationalen Konzernen mit Werken weltweit bis zu kleinen Mittelständlern. Mein Schwerpunkt liegt in Europa, ergänzt durch Workshops in den USA, Mexiko, Indien und Japan. Dabei habe ich Unternehmen und ihre Werke in unterschiedlichsten Branchen vorangebracht – von der Automobilindustrie über die Industrietechnik bis hin zu Gebrauchsgütern und dem Medizin- und Gesundheitswesen. Und ich lerne immer noch weiter!

Meine Überzeugung

Toyota lässt sich nicht kopieren. Jedes Unternehmen muss seine eigene Kultur Schritt für Schritt in die richtige Richtung entwickeln – auf drei Ebenen gleichzeitig: den Methoden, den dahinterliegenden Prinzipien und der TPS-Denkweise selbst. Deshalb verstehe ich meine Arbeit als Befähigung, nicht als klassische Beratung: Ich bilde die Menschen in Ihrem Unternehmen selbst aus, damit sie TPS langfristig eigenständig anwenden können.

In Japan ist Sensei der Begriff für Lehrer – jemand, der sein tiefgehendes Wissen teilt und seine Schüler befähigt, ob in der Schule, in der Kunst oder im Sport. In diesem Sinne möchte ich mein Wissen weitergeben.